• Eva Krummholz

Das schwarze Schaf oder: “Du bist der Traum aller deiner Vorfahren.” @Bert Hellinger

Zwar sind fast alle Schafe, die man auf den Weiden sieht, weiß, es gibt aber immer wieder auch mal ein schwarzes oder geflecktes Schaf. Diese Schafe waren aber von jeher nicht besonders beliebt. Denn ihre Wolle ist schwieriger zu verarbeiten als rein weiße Wolle, die sich viel leichter in alle gewünschten Farben umfärben lässt. So hat sich die Redewendung „das schwarze Schaf sein“ entwickelt. Sie gilt für eine Person, die in einer Gruppe unangenehm auffällt.


Was bedeutet das schwarze Schaf der Familie?

Schwarzes Schaf der Familie – hartes Los

Das schwarze Schaf leidet unter all den weißen im Familiensystem: Fehlende Zuwendung, Benachteiligung, Ausgrenzung, übermäßige Belastung, Neid und/oder Vorwürfe von Eltern und Geschwistern beeinträchtigen ihr Selbstbild und Lebensgefühl.


In jeder Ahnenreihe gibt es Familienmitglieder, die oftmals als „Das Schwarze Schaf“ bezeichnet werden. Typische Glaubensmuster, die oftmals von Kindheit her bekannt sind:


"Du bist nichts und Du kannst nichts.“

„Warum kannst Du nicht sein wie alle anderen?“

„Glaubst Du Du bist was Besonderes?“

„Ich bin echt gestraft mit Dir.“

„Wieso bist Du so?“

„Du wirst es in Deinem Leben nie zu etwas bringen.“

„Du passt gar nicht in unsere Familie.“


Typische Stimmen im Kopf eines Schwarzen Schafes könnten sein:


• „Ich bin schwierig / falsch“

• „Ich gehöre nicht dazu.“

• “Ich gehöre nicht hierhin.“

• „ich bin nicht normal“

• „Ich bin weniger wert als die anderen“

• „Ich bin weniger gut als die anderen“

• „Ich bin immer der Außenseiter.“

• „Ich bin eine Belastung für die anderen“

• „Ich bin es nicht wert geliebt zu werden“

• „Ich muss für meine Liebe kämpfen / Leistung erbringen“

• „Ich muss mich anpassen um geliebt zu werden“

• „Ich muss wie alle anderen sein um akzeptiert zu werden“

• „Niemand versteht mich“

• „Niemand weiß, wie ich fühle und denke“

• „Ich bin schuld... “


Das Schwarze Schaf wird oft als rebellisch, unbelehrbar und aufmüpfig verurteilt, denn es entspricht nicht der Norm. Dabei hat dieses Familienmitglied die stärkste psychische Widerstandskraft, auch Resilienz genannt und oftmals eine starke angeborene, meist aber auch durch das Leben erworbene Belastbarkeit, oder auch Vulnerabilität.


Schwarze Schafe sind anders, denken anders, handeln anders, vor allem aber fühlen sie anders. Oftmals beneiden sie ins geheim andere Familienmitglieder für deren Struktur, deren Logik und Ratio. Das Schwarze Schaf erfährt tagtäglich Situationen bei denen es immer wieder emotional gefordert wird, kommt aber irgendwie in seinem Leben nicht an, oftmals auch beruflich, materiell nicht weiter.


Das erfordert eine unglaubliche Energie, denn es ist ein ständiger Kampf gegen feste Überzeugungen, Muster und Prägungen. Die vergifteten, abgestorbenen, kranken, verfaulten Wurzeln im Stammbaum erkennt das Schwarze Schaf und trägt in sich die wertvolle Gabe diese Energie wieder in den Fluss zu bringen.


Raus aus der Rolle

Ob innerhalb der Geschwisterbeziehung oder nur zwischen Eltern und Kind – wer nie Zuwendung und Wertschätzung erfährt, trägt oft bis ins hohe Erwachsenenalter ein Gefühl der Unzulänglichkeit mit sich herum. Daraus entstehen übermäßiges Mangelempfinden, Schuld- und Schamgefühle, ohne wirklich zu wissen, was man falsch gemacht hat.


Umso wichtiger ist es, während der Bewusstwerdung der eigenen Rolle das Gespräch mit der Familie zu suchen – gegebenenfalls mit professioneller Hilfe. Eltern und Geschwister sind Teil des Problems, also auch Teil der Lösung. Viele Familien blocken da allerdings ab und verstärken nur ihre Ausgrenzung. Dann sollte das schwarze Schaf der Familie für sich alleine Familiensysteme und -geschichten herausfinden. Mithilfe systemischer Therapiearbeit kann es vielleicht Gründe entdecken und irgendwann verzeihen und loslassen.


Manchmal sind Familienmitglieder aber auch erleichtert, da sie sich der Ungerechtigkeit bewusst sind. Sie haben die Chance, sich zu öffnen und durch das schwarze Schaf neue Verhaltens- und Sichtweisen kennenzulernen – so wie in der echten Schafherde, in der schwarze Schafe willkommen sind.







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