• Eva Krummholz

Männersache / Die Verteufelung der Männlichkeit


Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Früher war das Familienbild klar und eindeutig. Der Mann war der, der den Ton angab. Die Frauen kümmerten sich um Haus, Herd und Kinder.

Es herrschte ein festes Rollenbild, aus dem niemand ausbrechen durfte, selbst wenn Frau und Mann das gewollt hätten. Doch mit der Zeit emanzipierten sich viele Frauen von diesem eingefahrenen Bild. Mehr und mehr strebten sie höhere Bildungsabschlüsse an und begannen, ihr eigenes Geld zu verdienen.

Meine Mutter ließ sich 1975 scheiden. Damals wurde noch verlangt, dass der Mann den Mietvertrag unterschrieb und beim neuen Arbeitgeber vorstellig wurde, damit sie ihren Job bekam.

Die Frauen brachen aus einem längst überholten Rollenbild aus und erschufen sich eine neue Realität, eine Realität, in der sie keinen Mann mehr brauchten, um sich selbst zu versorgen und in der sie von der Gesellschaft nicht ausgegrenzt wurden, weil sie ihren Mann verließen.


Viele Frauen sind stärker als je zuvor. Sie sind nicht mehr wirtschaftlich von ihrem Männern abhängig, kosten ihre Freiheit in vielen erdenklichen Facetten aus. Frauen haben gelernt, sich das zu holen, was sie wollen. Und das ist gut so.


Viele Männer fühlen sich jedoch durch diesen Wandel verunsichert. Sie haben es nicht mehr mit hörigen Frauen zu tun, die alles für den Mann tun. Sie haben es mit Frauen zu tun, die ebenso stark sind, wie sie selbst.


Leider ging diese Stärkung der weiblichen Freiheit mit einer gewissen Verteufelung und Ablehnung der Männlichkeit einher. Das kann man daran erkennen, dass das Wort Männlichkeit heute nur noch sehr ungern benutzt wird. Es verursacht bei vielen Menschen nur negative Assoziationen. Männlichkeit ist etwas brutales, etwas zerstörerisches und etwas, das nur Leid und Schmerz auf dieser Welt verursacht. Viele Frauen und auch viele Männer denken so.


Dass Männlichkeit auch etwas mit Brüderlichkeit, großer Schaffenskraft und noch größerer Herzlichkeit zu tun hat, wird viel zu oft vergessen. Die Folge ist, dass die eigene Männlichkeit nicht mehr gelebt wird.


Daraus entstehen viele Schwierigkeiten. Auffällig ist zum Beispiel, dass viele junge Männer nicht mehr wissen, wie sie eine Frau verführen können oder große Angst haben, sich einer Frau überhaupt zu nähern.


Auch spürt man eine große Leere nicht erst mit 40 oder 50, wenn einem die Frau verlässt, oder einem der Job gekündigt wird. Diese Leere ist schon vorher da. Sie zeigt sich bei den jüngere Männern, die eine Frau brauchen um glücklich zu sein, die das neueste Handy brauchen um sich cool zu fühlen oder das Lob des Chefs, um sich anerkannt zu fühlen.


Viele Männer jagen einem kurzfristigen Hochgefühl nach und verwechseln dieses mit der inneren Erfüllung. In ihren Fantasien sind viele Männer charmante Verführer, große Abenteurer oder strebsame Macher. Doch solange Mann nicht lernt, seine Männlichkeit zu leben und zu fühlen, wird er niemals die innere Leere überwinden und als erfüllter Mann leben.


Dafür muss er lernen, die Männlichkeit zu fühlen. Dafür müssen männliche Eigenschaften wie Kraft, Durchsetzungsvermögen, Ruhe, Wille, Mut, Führung, Wildheit, Weisheit, Disziplin und Herzlichkeit wieder neu entdecken.

Über die letzten Jahrzehnte wurden diese Eigenschaften verteufelt. Männlichkeit wurde verwechselt mit Härte, Aggression, Rückzug, Eigensinn, Mache-Gehabe, Kontrollsucht, Brutalität, Arroganz, spontanem Aktionismus und Selbstsucht.

Männlichkeit wurde verpönt und wird deswegen nicht gelebt. Es ist an der Zeit, dies zu ändern.




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